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Die Methode der Fallstudie

Die Fallstudie als Konkretion des Fallprinzips und als handlungsorientierte Methode (am Beispiel des Falles „Christian“)

von Sibylle Reinhardt

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vollständiger Text mit Unterrichtsphasen und Materialien
reihe08_text.pdf (632,8 KB)  vom 19.02.2007

Auszug

Die Fallstudie

Eine Fallstudie zeichnet sich dadurch aus, dass die Unterrichtsreihe durch einen personalisierten Fall integriert wird (das kann eine Person sein, das könnte auch eine Firma sein). Dieser Fall provoziert Stellungnahmen und Fragen, die in kleinen Gruppen und im Plenum mit Hilfe von Material beantwortet werden. Anschließend entwerfen die Lernenden – immer in der Perspektive des Falles (z.B.: Ich als Christian) –Handlungsmöglichkeiten und bewerten diese. Die Wahl einer Handlungsoption muss von der Kleingruppe im Plenum begründet werden, wobei sich gleichwertige Varianten oder auch überwiegende Gründe für die Wahl einer ganz bestimmten Handlung herausstellen können. Schließlich wird die Arbeit der Lernenden – ihr Entwurf des Fortgangs nach ihrer Verarbeitung von Informationen – mit der Realität konfrontiert. Das kann entweder durch authentisches Material (z.B. das Gerichtsurteil zu einem Fall) oder durch das Hinzuziehen von Experten geschehen. Der Fortgang des Falles in der Realität gibt Anlass zur Auswertung und Bewertung der Fallbearbeitung.

Methode: Fallstudie

I) Konfrontation mit dem Fall

Im Plenum wird den Lernenden der Fall vorgelegt und sie reagieren zuerst spontan mit Meinungen und Fragen. Fragen zum Fall werden gesammelt und geben der zweiten Phase die Richtung für die Arbeit. Die im Fall enthaltenen Probleme und Entscheidungsnotwendigkeiten werden geklärt.

II) Informationen auswerten

Die formulierten Fragen werden in kleinen Gruppen arbeitsteilig oder arbeitsgleich bearbeitet. Das Material wird entweder vom Lehrer bereitgestellt oder von den Lernenden selbständig recherchiert. Kriterien sind die Zugänglichkeit und Richtigkeit der Auswahl. Zum Beispiel müssen Rechtstexte vom Lehrer geliefert werden, während Positionen und Meinungen häufig gut aus dem Internet zu recherchieren sind. Die Ergebnisse der Gruppenarbeit werden im Plenum vorgetragen, verglichen und bei Diskrepanzen diskutiert. (Es kann eine weitere Teilphase der distanzierenden Bewertung angeschlossen werden.)

III) Exploration und Resolution für Handlungsmöglichkeiten

Der Fall einer Fallstudie enthält die Notwendigkeit und Aufforderung zum Handeln des zentralen Akteurs. Wiederum in Kleingruppen werden denkbare Handlungswege entworfen und diskutiert, dann entschließt sich die Kleingruppe für einen ihrer Vorschläge und begründet ihn ausdrücklich. Hier werden also Alternativen für das Handeln entworfen und bewertet.

IV) Disputation der Handlungsvorschläge

Die Kleingruppen stellen im Plenum ihre Ideen für das Handeln vor und begründen ihre Entscheidung. Falls die Gruppen sich ziemlich einig sind stellt dies eine Bestärkung dar, falls die Gruppen unterschiedliches Handeln vorschlagen dient die Diskussion der weiteren Durchdringung des Falles und der Strukturen, die das Handeln rahmen.

V) Kollation mit der Realität

Die von den Lernenden entworfene Lösung, wie gehandelt werden solle, wird mit der in der Realität getroffenen Entscheidung verglichen. So wird dem Als-Ob-Handeln (in der Perspektive des Akteurs im Fall) die Ebene der Wirklichkeit an die Seite gestellt, was bei Diskrepanzen zu Bewertungen der Strukturen der Realität führt und zu Urteilen über die eigenen Entscheidungen. (Es kann eine weitere Teilphase der Fortführung zur Reflexion auf politische Änderungen angeschlossen werden.)

Ein praktisches Beispiel: Der Fall Christian
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