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Unterricht gegen rechts - geht das?

Unterricht gegen "rechts" - geht das? Der Fall EKO-Stahl. - Vorschlag für eine Fallstudie zur Auseinandersetzung Lernender mit Ausländerfeindlichkeit.

von Sibylle Reinhardt

abgedruckt in: Gesellschaft - Wirtschaft - Politik 2006, Heft 3

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vollständiger Text
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Materialien
reihe12_mat.pdf (110,8 KB)  vom 19.02.2007

Auszug

1. Das Phänomen

Es gibt eine Fülle empirischer Untersuchungen zum Rechtsextremismus bei Erwachsenen und Jugendlichen in der Bundesrepublik Deutschland (zuletzt Oepke 2005, Decker / Brähler 2005). Eine jüngere Definition fasst die Erscheinung zusammen: "Der Rechtsextremismus ist ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichwertigkeitsvorstellungen sind. Diese äußern sich im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus. Im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen." (Decker/Brähler 2005:11) Decker und Brähler hatten nach einer Konsensuskonferenz für ihre Untersuchung sechs teststatistisch abgesicherte Skalen benutzt. Die Skala zur "Ausländerfeindlichkeit" enthielt zum Beispiel die Aussage "Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken." Andere Aussagen, zu denen die Befragten ihre abgestufte Zustimmung oder Ablehnung äußern konnten, betrafen eine Ausnutzung des Sozialstaates und eine Überfremdung der Bundesrepublik durch Ausländer (a.a.O.: 13) Die Skala zur Ausländerfeindlichkeit ergab zu einem Viertel hohe ausländerfeindliche Einstellungen; die Werte im Osten Deutschlands sind teilweise höher als im Westen.

Es gibt auch eine ganze Reihe von Erklärungsansätzen für diese Phänomene. Sehr bekannt geworden sind der auch sozialisationstheoretische Ansatz der Autoritären Persönlichkeit (Adorno u.a. 1950), das auf gesellschaftlichen Wandel und Anomie bezogene Desintegrations-Verunsicherungs-Theorem (Heitmeyer u.a. 1995) und der Ansatz relativer Deprivation, der auf eine Kluft zwischen den eigenen Chancen und den Chancen anderer abstellt (vgl. Würtz 2000). Die empirischen Prüfungen von Marek Fuchs (2003) sowie von Seipel und Rippl (2000) zeigen, dass alle drei Erklärungen stichhaltig sind; keine Erklärung gibt allerdings mehr Aufschluss als der Faktor Bildung - je höher die formale Bildung, desto geringer sind die Dimensionen von Rechtsextremismus ausgeprägt.

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