Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Exklusive Gymnasien und ihre Schüler

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Distinktion im Gymnasialen? Prozesse der Habitusbildung an „exklusiven“ höheren Schulen

Projektleitung

Prof. Dr. Werner Helsper, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Zentrum für Schul- und Bildungsforschung (i)

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen

Katrin Kotzyba M.A. (i) und Dr. Mareke Niemann (i)

Assoziierte Mitarbeiterin: Dr. Anja Gibson (i), Lena Dreier (i)

Veröffentlichungen

Helsper, Werner/Niemann, Mareke/Gibson, Anja/Dreier, Lena (i.E.):  ‘Elite’ and ‘excellence’. A delicate matter for head teachers of  exclusive secondary schools in Germany. In: van Zanten, Agnès (Ed.): The  (re)production of elite identities in families and schools. vol. 3 of  major theme "elite eduaction". Routledge

Helsper, Werner/Dreier,  Lena/Gibson, Anja/Kotzyba, Katrin/Niemann, Mareke (2018):  Exklusive  Gymnasien und ihre Schüler. Passungsverhältnisse zwischen   institutionellem und individuellem Schülerhabitus. Wiesbaden: Springer   VS

Waldbauer, T. (2016): Wir werden dazu ausgebildet, einzigartig zu sein – der Blick einer Schülerin auf ihre „exklusive“ Schule. In: soziologiemagazin Heft Nr. 12, Jg.  2015. Opladen: Barbara Budrich.

Helsper, W./ Krüger-H.-H./ Dreier, L./ Keßler, C.I./ Kreuz, S./ Niemann, M. (2016): International orientierte höhere Schulen in Deutschland – Zwei Varianten von Internationalität im Wechselspiel von Institution und Schülerbiografie. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 16 (3), DOI: 10.1007/s11618-016-0715-1. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Helsper, W./Dreier, L./Gibson, A./Kotzyba, K./ Niemann, M. (2015): „Exklusive“ und private Gymnasien in städtischen Bildungsregionen. Wettbewerb und Schülerauswahl am städtischen höheren Bildungsmarkt. In: Kraul, M. (Hg.):Private Schulen. Wiesbaden: VS Verlag, S. 45-61.

Helsper, W./Dreier, L./Niemann, M./Gibson, A. (2015): Auswahlverfahren in „exklusiven“ Gymnasien. Auswahlpraktiken und ihre Legitimation. In: Helsper, Werner/Krüger, Heinz-Hermann (Hrsg.): Auswahl der Bildungsklientel. Wiesbaden: Springer-VS, S. 135-164.

Bloch, R./ Dreier, L./ Kotzyba, K./ Mitterle, A./ Niemann, M.(2015): Auswahlgespräche in „exklusiven“ Gymnasien, privaten Hochschulen und „exzellenten“ Graduiertenschulen: Die Überprüfung von Authentizität und Passung. In: Zeitschrift für Pädagogik 61, H. 1, S. 41-57.

Helsper, W./Niemann, M./Gibson, A./Dreier, L. (2014): Positionierungen zu „Elite“ und „Exzellenz“ in gymnasialen Bildungsregionen: Eine „Gretchenfrage“ für Schulleiter exklusiver Gymnasien? In: Krüger, H.-H./Helsper, W. (Hrsg.): Elite und Exzellenz im Bildungssystem: Nationale und internationale Perspektiven. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 17(3), Sonderheft 19, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 203–219.

Helsper, W. (2012): Distinktion in der gymnasialen Schullandschaft: Vom Gymnasium als Unterschied zu Unterscheidungen im Gymnasialen? In: Lin-Klitzing, S./Di Fuccia, D./Müller-Frerich, G. (Hrsg.): Aspekte gymnasialer Bildung. Bad Heilbrunn, S. 116–135.

Kurzdarstellung 2. Förderphase (2014-19)

Im Zusammenhang mit den öffentlichen Diskursen um Elite, Exzellenz und Leistungsspitze wendet sich dieses Projekt pädagogisch und inhaltlich besonders profilierten Gymnasien zu. Dabei werden in zwei Bildungsregionen fünf „exklusive“ Gymnasien und zwei Gymnasien mit einer Distanz gegenüber Exzellenzentwürfen in den Blick genommen. Auf institutioneller Ebene werden das Prozedere der Schülerauswahl, die pädagogischen Entwürfe sowie die institutionellen Schülerhabitus-Entwürfe mittels sequenzieller Rekonstruktionsverfahren erschlossen. Diese Analyse wird mit einem bildungsbiographischen Schülerlängsschnitt über vier Erhebungszeitpunkte verbunden – von der 8. Klasse bis etwa ein halbes Jahr nach dem Abitur. Damit werden sowohl die Entstehung und Veränderung des Bildungshabitus im Verlauf der Adoleszenz untersucht als auch die Passung der institutionellen Entwürfe zu den Habitus der Schüler. Die Studie führt zu Erkenntnissen über die Bedeutung und Situation exklusiver Gymnasien und über die Bildung von gymnasialen Habitus insbesondere im Bereich exklusiver Gymnasien.

Kurzdarstellung 1. Förderphase (2011-14)

Das Teilprojekt „Prozesse der Habitusbildung an exklusiven höheren Schulen“ wendet sich einem Teilbereich der höheren Bildung zu – pädagogisch und inhaltlich besonders profilierten Gymnasien, die teilweise eine lange Tradition aufweisen, aber auch reformorientierte und auf aktuelle globale Entwicklungen antwortende Neugründungen sein können. Wir sprechen zusammenfassend und sicherlich vereinfachend von „exklusiven“ Gymnasien und zählen dazu jene Schulen, die durch ein besonderes Erziehungs- und Bildungsprofil, durch hohe Leistungsansprüche und auch besondere fachliche Profile gekennzeichnet sind. Angesichts der Expansion der höheren Bildung – inzwischen wechselt ca. die Hälfte der Schülerschaft auf das Gymnasium – sprechen derartige Gymnasien mit einem anspruchsvollen Profil und dem Interesse an einer umfassenden Persönlichkeitsbildung häufig auch besonders anspruchsvolle und bildungsorientierte Heranwachsende und ihre Familien an. Damit sind diese Schulen einerseits auch einem hohen Erwartungsdruck unterworfen und übernehmen andererseits eine besondere Verantwortung, rekrutiert sich doch aus ihren Schülerinnen und Schülern ein nicht unerheblicher Anteil der künftigen gesellschaftlichen Verantwortungs- und Leistungsträger in zentralen gesellschaftlichen Bereichen wie etwa der Kultur, der Wirtschaft, der Wissenschaft etc.

Im Kontrast zur verstärkten öffentlichen Debatte und dem medialen Interesse an exzellenter Leistung oder der Bildung der Leistungsspitze und Besten wissen wir in Deutschland bislang aber nur wenig über diese Schulen. Deswegen nehmen wir mit unserer Studie exklusive Gymnasien in ausgewählten Bildungsregionen in den Blick. Dabei stehen zwei Perspektiven im Zentrum: Zum einen wenden wir uns den Gymnasien auf der institutionellen Ebene zu. Bedeutsam sind hier die Bildungs-, Erziehungs- und Unterrichtsentwürfe und deren Umsetzung in den Schulen, die Entwürfe „richtig“ oder „exzellent“ erzogener und gebildeter Schülerinnen und Schüler sowie die Bedeutung, die derartigen Gymnasien für die höhere Bildung, die gesellschaftliche Entwicklung und die Region beigemessen wird. Zum anderen – und hauptsächlich – stehen die Schülerinnen und Schüler dieser Gymnasien im Mittelpunkt. In einer bildungsbiographischen Längsschnittstudie, von der 8. Klasse bis ca. acht Monate nach dem Abitur – also über sechs Jahre hinweg –, werden die Bildungsprozesse und die Bedeutung der schulischen Erfahrung für die Persönlichkeitsentwicklung, kurz: die Entstehung und Veränderung des Bildungshabitus an exklusiven Gymnasien im Verlauf der Jugend untersucht. Welche Bedeutung gewinnen die Schulen für die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler? Wie deutlich orientieren diese sich an den Bildungs- und Erziehungsvorstellungen der Schule? Identifizieren sie sich mit der Schulgemeinschaft? Welches Selbstverständnis entwickeln sie von sich selbst als Schülerinnen und Schüler besonderer oder herausgehobener Schulen? In welchem Verhältnis stehen exklusive Besonderung und soziale Verantwortung? Welche Bildungsorientierungen und zukünftige Entwürfe von sich als Gestalter sozialer und kultureller Prozesse entwickeln sie während der Jugend? Und – wie verändert sich dies im Zeitraum zwischen vierzehn und neunzehn Jahren? Das sind Fragen, auf die wir Antworten suchen.

Als Grundlage für diese Antworten erheben wir Schuldokumente, führen Experteninterviews mit Schulleitungen und Lehrern durch, stützen uns auf Gruppendiskussionen mit Lehrkräften und erheben vor allem bildungsbiographische Interviews mit Schülern. Die Auswertung erfolgt mittels sequenzanalytischer rekonstruktiver Interpretationsverfahren. Die Studie lässt wichtige Erkenntnisse erstens über die Bedeutung, die Situation und die institutionelle Verfasstheit exklusiver Gymnasien in Regionen der höheren Bildungslandschaft und zweitens über das Zusammenspiel der Bildungs- und Erziehungsentwürfe der Schulen mit den biographischen Bildungsprozessen und der Bedeutung der Schulen für die Entwicklung des Bildungshabitus auf Seiten der Schülerinnen und Schülern erwarten.

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