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Hallesche Abendgespräche im Sommersemester 2026

Gefährdete Demokratie und Hochschule

Organisation: Marco Schott & Kilian Hüfner

Zeit18.00 Uhr (c.t.)
OrtZentrum für Schul- und Bildungsforschung (ZSB), Philosophische Fakultät III, Haus 31, Untergeschoss (im Eingangsbereich gerade aus)
Hallesche Abendgespräche – Gefährdete Demokratie und Hochschule

20.04.2026

Die Erzählgemeinschaft der Neuen Rechten und die Macht von Krisennarrativen

Dr. Felix Schilk (Universität Tübingen)

Rechte Akteure deuten Geschichte und Gesellschaft in einem wiederkehrenden Muster: Die Welt sei von Grund auf gespalten, die Gegenwart ein Zeichen kulturellen Verfalls, und die Zukunft von Untergang bedroht. Am Beispiel der Neuen Rechten analysiert Felix Schilk, wie diese Krisenerzählungen gezielt genutzt werden, um Diskurse zu verschieben und kulturelle Hegemonie zu erlangen. Dabei versteht er die Neue Rechte als eine »Erzählgemeinschaft«, die ihre Identität aus der ständigen Wiederholung apokalyptischer Narrative schöpft. Die Erfolge dieser Strategie zeigen sich bereits deutlich. Untergangsnarrative von vermeintlicher »Überfremdung« oder Narrative einer vermeintlich drohenden (Meinungs-)diktatur sind gesellschaftlich weit verbreitet.

11.05.2026

Antifeminismus und Queerfeindlichkeit als Demokratiegefährdungen

Prof. Dr. Ulrike Lembke (HU Berlin)

Antifeminismus und Queerfeindlichkeit werden oft als „Brückenideologien“ bezeichnet, mit denen rechtsextreme Bewegungen und Parteien ihre menschenverachtenden Politiken in die gesellschaftliche Mitte transportieren. Inzwischen haben sich diese Diskursbrücken allerdings zu veritablen Politikfeldern ausgewachsen, welche die pluralistische Demokratie bedrohen. Antifeministische Propaganda, Desinformation und queerfeindliche Affekte machen wissensbasierte und aushandlungsorientierte Politiken des Zusammenlebens nahezu unmöglich. Fakten werden geleugnet, Grund- und Menschenrechte zu bloßen Meinungen erklärt. Ein libertärer Autoritarismus glaubt an „Freiheit zur Diskriminierung“ und verabschiedet sich von gleicher Freiheit als Basis unseres Zusammenlebens. Dabei geht es nicht nur um Geschlechterpolitiken im Sinne einer „guten alten Ordnung“, die weiter zurückgehen will als in die 1950er Jahre. Reaktionäre Geschlechternormen sind untrennbar verbunden mit rassistischen Fantasieszenarien vom „Untergang des deutschen Volkes“ und antisemitischen Verschwörungsideologien. Das Manifest des Attentäters von Halle zeigt dies ebenso wie rechtsextreme Parteiprogramme und Influencer. Gefühlte (biologische) Wahrheiten, Ressentiments gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten, Frauenhass und geschlechtsbezogene Gewalt sind auch Angriffe auf gesellschaftliche Vielfalt und Lebensmöglichkeiten der nächsten Generation. Der „Genderwahn“ der extremen Rechten ist nicht harmlos; er legt die Axt an die freiheitliche Demokratie.

29.06.2026

Rechte Raumgewinne und diskursive Kippfiguren in Debatten um universitäre Bildung

Anke Kathrin Engemann, Prof. Dr. Christiane Thompson (Universität Frankfurt)

Die Lage Krise der universitären Bildung stellt ein beliebtes Sujet rechtspopulistischer Diskurse dar. In unserem Vortrag beleuchten wir zwei diskursive Strategien, wie dabei universitäre Bildungsräume verschoben, besetzt und die Grenzen zwischen wissenschaftlichem und politischem Sprechen verunklart werden. Erstens sind Diskursstrategien zu beobachten, welche die ‚Auswanderung‘ von Bildung und Wissenschaft aus der überkommenen Institution Universität proklamieren und zwischen Online-Plattformen, eigens eingerichteten Journals und Netzwerkveranstaltungen alternative Räume für die Ausgestaltung ‚kritischen‘ Denkens erschließen. Zweitens lassen sich die vorgebrachten Ansprüche auf Wissenschaftsfreiheit in Verbindung mit rechtspopulistischen Diskursfiguren als Strategie der Besetzung universitärer Bildungsräume verstehen. Ansprüche dieser Art werden häufig als disruptives Eindringen politisch extremer Positionen in institutionell geschützte akademische Formen und Prozeduren problematisiert. Mit dem letztgenannten Punkt ist aber auch die Frage verbunden, wer sich wie und wo autorisieren kann, Verantwortung für den Schutz des universitären Bildungsraums zu übernehmen – und von anderen einzufordern. Wir nehmen diese Frage in einem weiteren Schritt zum Anlass, die Überlagerung solcher Disruptionen im geteilten universitären Bildungsraum und der Abgrenzungs- bzw. Positionierungsarbeit zu fokussieren: Zum einen wird der Anspruch, Diskursverschiebungen beobachten und analysieren zu können, aus ganz unterschiedlichen Richtungen erhoben und ist selbst längst verstrickt in das Ringen um die Grenzen zwischen politischem und wissenschaftlichem Sprechen. Zum anderen „verzahnen“ sich rechtspopulistische Diskurseinsätze mit Positionen zur Kritik universitärer Bildung, die in geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Debatten seit der Bologna-Reform verankert sind. Wie lassen sich diese Verflechtungen rechter Diskursstrategien angemessen einholen? Dies gilt es ebenso zu diskutieren, wie die Frage, was dies für die Rede universitärer Bildung heute bedeutet.

06.07.2026

Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Hochschulen

PD Dr. Christoph Haker, Dr. Lukas Otterspeer (Universität Flensburg)

Der Vortrag gibt zunächst Einblick in den Forschungsstand zu Rechtspopulismus und Rechtsextremismus in Hochschulen. Im Mittelpunkt stehen anschließend Perspektiven von Betroffenen: Herausgearbeitet wird, wie Hochschulangehörige, die auf dem Campus Rechtspopulismus und Rechtsextremismus erleben, an ihrer Hochschule institutionalisierte Sprachlosigkeit und organisierte Vereinzelung erfahren. Der Vortrag schließt mit Überlegungen, welche Umgangsweisen für diese Herausforderungen geeignet sind.

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