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BMBF-Verbundvorhaben (01.01.2022 – 31.12.2026)
(Neu-)Ordnungen von Bildungslandschaften reflexiv gestalten. Zur riskanten gesellschaftlichen und schulischen Teilhabe von Kindern in peripheren Sozialräumen

Ziel des Verbundvorhabens NeOBi ist es, sowohl grundlagentheoretisch als auch in angewandter Perspektive Ermöglichungs- und Verhinderungsbedingungen der schulischen und gesellschaftlichen Teilhabe benachteiligter Kinder im Vor- und Grundschulalter vergleichend zu untersuchen. Dafür werden zwei benachteiligte städtische Quartiere und zwei periphere ländliche Verbands- und Einheitsgemeinden in Sachsen-Anhalt in den Blick genommen. Durch multiperspektivisch ausgerichtete und vergleichend angelegte Fallstudien sollen eine Professionalisierung der beteiligten Akteure erreicht und im Sinne einer ‚Theory of Change‘ die Frage geklärt werden: Wie lassen sich Bildungs- und Betreuungsbarrieren in peripheren, als ‚riskant‘ wahrgenommenen Sozialräumen für benachteiligte Kinder im Grundschulalter abbauen?

In einem Wissenschafts-Praxis-Dialog in jährlich stattfindenden ‚Falllaboren‘ werden auf Basis von Forschungsergebnissen gemeinsam entsprechende Gestaltungspotenziale für die vier Bildungs- und Betreuungslandschaften  (BBLs) identifiziert, Maßnahmen im Co-Design entwickelt und implementiert und im Hinblick auf ihre (nicht-)intendierten Wirkungen reflektiert.

Vier Teilprojekte befragen dafür diese (Neu-)Ordnungen der Bildungslandschaft auf jeweils unterschiedlichen Ebenen – auf Ebene der Kinder, der Eltern, der (trans-)lokalen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsinstitutionen und der Kommunalpolitik und -administration. Ein fünftes Teilprojekt befasst sich übergreifend mit den Transformationspotenzialen in den Bildungslandschaften im Zusammenspiel von Forschung und Praxisakteuren. Alle Teilprojekte arbeiten auf Basis eines praxistheoretischen Theorierahmens und verfolgen ein Längsschnittdesign.

Teilprojekt 1: Ethnografische Fallporträts des Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsarrangements von Kindern

Teilprojekt 2: Bildungserwartungen und -entscheidungen von Eltern

Teilprojekt 3: Orientierungen und Praxen von Schulen und Horten zum Abbau von Bildungs- und Teilhabebarrieren

Teilprojekt 4: Lokale Bildungsmanagement-Praktiken: Herausforderungen für kommunale Akteure der Bildungsadministration und -politik

Teilprojekt 5: Wirkungsorientierte Reflexivität im Wissenschafts-Praxis-Transfer

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Verbundleitung:

Verbundkoordination:

Teilprojekt 1:
Ethnografische Fallporträts des Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsarrangements von Kindern

Wie bringen Kinder im Grundschulalter ihre BBLs vor dem Hintergrund der infrastrukturellen Möglichkeiten ko-produktiv hervor? Wie wird dadurch soziale Ungleichheit (re-)produziert?

In „ethnografischen Fallportraits“ (Bollig u.a. 2016; Machold 2017) werden 8 ausgewählte Kinder im Verlauf einer Woche in ihre Bildungs- und Betreuungsinstitutionen und zu anderen relevanten (Sozial-)Räumen begleitet. Für das Sample werden institutionsbezogene (Kita/Förderschule/ [inklusive] Grundschule, Hort/ ohne Hort, etc.) und soziostrukturelle Kriterien herangezogen. Kontakte zu den Erziehungsberechtigten werden über die Kindertageseinrichtungen angebahnt.

Diese synchrone Perspektive auf den Ganztag der Kinder im Sinne einer multi-sited ethnography (Marcus 1995; Bollig u.a. 2016) wird mit einer diachronen, längsschnittlich ausgerichteten Ethnografie (Machold 2017) zu ihren Bildungsbiographien verknüpft.

Erhoben wird im 1., 2. und 3. Schuljahr der Kinder (12 Wochen). Ausgewertet wird, unter  Rückgriff auf Daten aus TP3, mit der Grounded Theory (Charmaz 2014). Im 4. Projektjahr wird dieser Zugang durch die Rekonstruktion der Bildungs- und Betreuungsbiografie inkl. der ‚objektivierten‘ Bildungsverläufe der Kinder erweitert und mit Rosenthal (2015) fallvergleichend ausgewertet, so dass eine Falltypologie entsteht.

Gefragt wird, wie Kinder sich positionieren, wenn schulische Leistungserwartungen an sie herangetragen werden, oder wenn dieses gerade vermieden wird, um eigenständige (Bildungs-) Orte zu offerieren. Zudem wird der Blick darauf gerichtet, wie Zuschreibungen in einem institutionellen Kontext sich in andere Kontexte übersetzen und sich wechselseitig beeinflussen.

Leitung des Teilprojekt 1:

Mitarbeiterinnen des Teilprojekt 1:

Teilprojekt 2:
Bildungserwartungen und -entscheidungen von Eltern

Im Zentrum des Teilprojektes steht die Rolle der Eltern bei der Gestaltung der lokalen Bildungslandschaften. Welche Umbrüche stellen für Eltern von Grundschulkindern in riskanten BBLs besondere Herausforderungen dar? Welche Rolle spielen elterliche zivilgesellschaftliche Aktivitäten, die Nutzung von Hortbetreuung und die Wahrnehmung von Förderbedarfen für ihre Aspirationsniveaus und Bildungsentscheidungen?

TP2 nimmt hierzu eine schriftliche Befragung (mixed mode) der Elternteile aller Kinder in den Grund- und Förderschulen der Untersuchungsgebiete in Klasse 2, Klasse 4, und nach dem Übertritt in Klasse 5 vor. Parallel zur Zielkohorte werden im 1. Untersuchungsjahr Interkohortenvergleiche durch eine Befragung von Eltern der Kl. 4 und 5 vorgenommen, die im 2.Untersuchungsjahr durch eine Weiterverfolgung der Eltern der Viertklässler in Kl. 5 ergänzt werden.

Zudem werden 3 Sekundärdatenanalysen vorgenommen:

  • (1) Analyse vorhandener amtlicher Daten zu den BBLs auf möglichst klein-räumlicher Aggregation; für Schulen und Horte werden zusätzlich Strukturdaten zur Ausstattung und zur Sozialstruktur erhoben
  • (2) Analyse von Daten zu stadtteilspezifischen Zusammenhaltseffekten in den 2 Hallenser BBLs durch eine Spezialauswertung des Regionalpanels „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ (1.Erhebung: 2021)
  • (3) Ergebnis-Vergleich mit NEPS-Daten (National Educational Panel Study) zur elterlichen Aspirationsdynamik, Hortwahrnehmung und dem Umgang mit Förderbedarfen mittels eines Vergleichsdatensatz der Wellen 3, 4, 5, 6, 7 der NEPS-Elternbefragung von Starterkohorte 2

Leitung des Teilprojekt 2:

Mitarbeiterin des Teilprojekt 2:

Teilprojekt 3:
Normen und Praxen von Schulen und Horten zum Abbau von Bildungs- und Teilhabebarrieren

Das Teilprojekt widmet sich der Gestaltung von Bildungs- und Betreuungslandschaften mit Fokus auf die konkreten Einrichtungen im jeweiligen Sozialraum bzw. den beiden städtischen und den beiden ländlichen Quartieren. Konkret beziehen wir uns auf die dort befindlichen Grund- und Förderschulen, die jeweiligen Betreuungsangebote (Horte etc.) und auch weitere ausgewählte zivilgesellschaftliche Akteur*innen, die Bedeutung für die Schulen und Horte haben (können). Für diese Einrichtungen sollen Portraits erstellt werden, in denen rekonstruiert wird, welche Programmatiken und Praxen diese zum Abbau von Bildungsbarrieren im Zusammenspiel mit anderen Organisationen/Akteur:innen im Sozialraum aufweisen. Es wird zudem gefragt, wie dabei das menschenrechtliche Ziel der Inklusion und des Rechts auf Ganztagsbetreuung gedeutet und über die Zeit alltagspraktisch bearbeitet werden.

Empirische Grundlage dafür sind Leitfadeninterviews mit Leitungspersonen bzw. Gruppendiskussionen mit Leitungsteams sowie Gruppendiskussionen mit professionellen/ zivilgesellschaftlichen Akteuren (z.B. Lehrpersonen, Trainer*innen). Diese werden im jährlichen Abstand wiederholt erhoben (insges. 4x). Zudem werden die Einrichtungsprogrammatiken in ihrem Selbstverständnis analysiert. Die Auswertung mit der Dokumentarischen Methode (Bohnsack 2013) legt das implizite handlungsleitende Wissen der Akteure frei.
Die Portraits werden längsschnittlich hinsichtlich des Zusammenspiels der Einrichtungen/Akteure in den BBLs zum Abbau von Bildungsbenachteiligung über den Untersuchungszeitraum analysiert. Zudem werden fallübergreifende komparative Analysen der habituellen Praxen (vgl. z.B. Bohnsack 2017; Kramer 2018; Sturm 2015) der Einrichtungen/Akteure in Relation zur BBL vollzogen.

Leitung des Teilprojekt 3:

Mitarbeiter:innen des Teilprojekt 3:


Teilprojekt 4:
Lokale Bildungsmanagement-Praktiken: Herausforderungen für kommunale Akteure der Bildungsadministration und -politik

Das Teilprojekt 4 analysiert die komplexen und teilweise paradoxen Herausforderungen sowie die Strategien und Spielräume kommunaler Akteur*innen bezüglich des Umgangs mit Bildungsbarrieren im Spannungsfeld mit der Bildungspolitik. Die Neuskalierung bzw. Umverteilung staatlicher Aufgaben, territoriale Gebietsreformen, die Bewältigung des demografischen und des Strukturwandels, sowie die Ökonomisierung bildungspolitischer Verantwortlichkeiten stellen die Kommunen vor eine Reihe neuer Herausforderungen, die  in das kommunale Bildungsmanagement hineinwirken - in ländlichen Regionen mit anderen Ausprägungen als in städtischen Regionen. Die zentrale Fragestellung des Teilprojekts lautet: Mit welchen Herausforderungen und strukturellen Rahmenbedingungen sind kommunale Akteur*innen mit Blick auf den Abbau von Bildungsbarrieren konfrontiert, mit welchen Strategien reagieren sie darauf und welche Spielräume gibt es?

Im Sinne einer (trans-)lokalen Ethnografie des Staates („stategraphy“, Thelen et al. 2018) wird im Teilprojekt daher untersucht, welche paradoxen Effekte unterschiedliche kommunale Grenzziehungen und die aktive Herstellung (oder Ablehnung) von politischen Zuständigkeitsbereichen auf die Bildungslandschaften haben. Ziel ist es dabei, nicht nur die Bedingungen kommunaler bzw. administrativer Praxis herauszuarbeiten, sondern auch deren Spielräume offenzulegen. Diese können bereits existieren und vereinzelt Teil lokaler Praktiken sein. Darüber hinaus kann aber über den Vergleich der Untersuchungsgebiete und der Falllabore erarbeitet werden, welche Spielräume unter welchen Bedingungen zusätzlich zu Verfügung stehen können.

Für alle vier Untersuchungsgebiete finden zwei mehrmonatige ethnographische Feldaufenthalte im Abstand von zwei Jahren statt. Kommunale Verwaltung verstehen wir dabei als eine Organisation, die sich aus aufeinander bezogenen, sich verändernden „Bündeln von Praktiken und Arrangements“ zusammensetzt (Schatzki 2006). Während die kommunale Verwaltung bzw. das Bildungsmanagement als Organisation in der ersten Feldphase im Vordergrund steht, ist die zweite Phase verstärkt auf die Verbindungen, Abhängigkeiten und Verhältnisse der Kommune bzw. des Bildungsmanagements zu weiteren Akteuren außerhalb der Kommunalverwaltung ausgerichtet.

Leitung des Teilprojekt 4:

Mitarbeiterin des Teilprojekt 4:

Teilprojekt 5:
Wirkungsorientierte Reflexivität im Wissenschafts-Praxis-Transfer

Der Wissenschaft-Praxis-Transfer steckt den realen Horizont dessen ab, welche Veränderungen durch Forschungswissen zum Abbau von Bildungsbarrieren unter den lokalen Bedingungen wirklich angestoßen werden können. Deswegen wird in TP 5 der Transferprozess des Verbundprojekts NeOBi zum eigenen Forschungsgegenstand gemacht. Dieser strukturiert sich wesentlich über die jährlich stattfindenden „Falllaboren“, in denen im gemeinsamen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis auf Basis der Forschungsdaten aus den fünf Teilprojekten lokale Strategien zum Abbau von Bildungsbarrieren in den Untersuchungsgebieten entwickelt und umgesetzt werden soll.

Ziel des Teilprojektes 5 ist es, die Wissens- und Strategiearbeit in diesem Transferprozess näher zu untersuchen und hinsichtlich ihrer Wirkung(sannahm)en selbstkritisch zu reflektieren. Dabei sollen die in diesem Prozess ko-produzierten, explizit erarbeiteten sowie implizit enaktierten Handlungs- bzw. Wirkungstheorien („Theories of Change“/„Theories of Action“ fortan: TOC/TOAs) herausgearbeitet und auf ihre Performativität hin reflektiert werden. Dabei werden auch die lokalen Entstehungs- und Umsetzungskontexte der beteiligten Akteure sowie der Projektkoordination mitberücksichtigt.

Handlungsleitende Frage ist, welche Selektivitäten, aber auch Produktivitäten sich vor welchen Hintergründen durch die gefällten Konsense und Entscheidungen im Laufe des Projekte ergeben, z.B. durch bestimmte Anforderungen, Rahmenbedingungen, Akteur*innenauswahl, Machtstrukturen, Handlungslogiken, vermittelnde Artefakte/Medien und Affekte. Durch die Rekonstruktion der lokalen TOCs und ihrer Selektivitäten/Produktivitäten sollen so Rückschlüsse auf die lokalen (Un)Möglichkeiten des Abbaus von Bildungsbarrieren gezogen und zugleich Einsichten für eine erfolgreichere Ausnutzung der vorhandenen Spielräume in den laufenden Wissenschafts-Praxis-Transfer zurückgespiesen werden. So soll insgesamt ausgelotet werden, welches Transformationspotenzial durch die Projektpraxis möglich und an welche Bedingungen es geknüpft ist.

TP5 wendet ein (auto)ethnographisches längsschnittliches Forschungsdesign an. Als Methoden werden teilnehmende (Selbst-) Beobachtung und Audiomitschnitte von den jeweiligen Fall-Laboren und Vor- und Nachbereitungsgesprächen sowie ethnografische Interviews eingesetzt. In der Datenauswertung wird wesentlich auf die in Schmachtel-Maxfield (2013) entwickelte Methodologie zur Analyse kollektiver Strategiebildungsprozesse zurückgegriffen.

Leitung Teilprojekt 5:

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